
KI in der Metropolregion Nürnberg: Aktuelle Studie zur KI-Nutzung.
28. August 2026
KI ist in der Metropolregion Nürnberg angekommen, aber noch selten strategisch verankert: Nur 27 Prozent nutzen KI regelmäßig bei der Arbeit, Datenschutz und Rechtssicherheit bremsen viele Unternehmen, und lediglich elf Prozent verfügen über eine schriftliche KI-Strategie. Eine gemeinsame Studie mit puls Marktforschung zeigt, wo die Region steht und was Unternehmen jetzt konkret tun können.
Wie weit ist die Metropolregion Nürnberg beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz wirklich?
Diese Frage haben Silbury und puls Marktforschung gemeinsam untersucht. Im Juni 2026 wurden über zwei Wochen hinweg Menschen mit Hauptwohnsitz in der Metropolregion Nürnberg online befragt. Insgesamt nahmen 416 Personen teil; je nach Frage lagen zwischen 205 und 374 Antworten vor.
Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine reine Unternehmensbefragung. Befragt wurden Menschen aus unterschiedlichen Lebens- und Arbeitssituationen, darunter auch Unternehmerinnen und Unternehmer, aber eben nicht ausschließlich. Die Ergebnisse geben daher kein vollständiges Bild jedes einzelnen Betriebs. Sie zeigen jedoch, wie KI in der Region wahrgenommen und im Arbeitsalltag erlebt wird.
Das Bild ist gemischt: KI wird bereits genutzt. Gleichzeitig fehlt es oft an Sichtbarkeit, klarer Verantwortung und einer strategischen Richtung.
27 Prozent nutzen KI regelmäßig; für die Region eher zu wenig
27 Prozent der Befragten geben an, KI-Werkzeuge regelmäßig bei der Arbeit zu nutzen.
Das liegt ungefähr auf dem Niveau bundesweiter Vergleichswerte. Für eine wirtschaftlich starke, urbane und technologisch geprägte Region wie die Metropolregion Nürnberg ist das allerdings kein Wert, auf dem man sich ausruhen sollte.
Denn „regelmäßig“ lässt Spielraum: Für manche bedeutet es tägliche Nutzung, für andere vielleicht eine monatliche Auswertung oder die gelegentliche Hilfe bei einer E-Mail. Zudem dürfte es deutlich mehr Menschen geben, die KI unregelmäßig oder ohne offizielle Freigabe einsetzen.
Gerade diese Schattennutzung ist für Unternehmen relevant. Wenn Mitarbeitende KI bereits verwenden, die Organisation aber nichts davon weiß, entstehen zwei Probleme zugleich:
- Potenziale bleiben unsichtbar und werden nicht geteilt.
- Risiken rund um Daten, Datenschutz und Qualität lassen sich kaum steuern.
Die erste Frage sollte deshalb nicht sein: „Welche KI-Lösung kaufen wir?“ Sondern: Wo und wofür wird KI bei uns bereits eingesetzt?
Ein Drittel kennt im eigenen Unternehmen keinen KI-Einsatz
35 Prozent der Befragten ist kein KI-Einsatz im eigenen Unternehmen bekannt.
Das kann bedeuten, dass tatsächlich keine KI genutzt wird. Es kann aber auch heißen, dass einzelne Teams, Abteilungen oder Mitarbeitende längst mit KI arbeiten, ohne dass dies intern sichtbar gemacht oder kommuniziert wird.
Diese Zahl zeigt: KI-Einsatz ist häufig noch kein gemeinsames Organisationsthema. Er findet punktuell statt — bei einzelnen Personen, in einzelnen Funktionen oder über private Zugänge.
Für Unternehmen liegt darin ein klarer Handlungsauftrag. KI muss nicht sofort flächendeckend eingeführt werden. Aber ihre Nutzung sollte sichtbar sein.
Ein pragmatischer erster Schritt ist eine einfache Frage an jede Bereichsleitung:
Wie viele Mitarbeitende haben in den vergangenen vier Wochen KI für eine Arbeitsaufgabe genutzt und wofür?
Wichtig ist dabei: gezählt, nicht geschätzt. Wenn diese Zahl monatlich erhoben wird, entsteht schnell ein realistischer Überblick über Nutzung, Potenziale und Unterstützungsbedarf.
Datenschutz und Rechtssicherheit bremsen - berechtigt, aber nicht als Ausrede
50 Prozent der Befragten nennen Datenschutz und Rechtssicherheit als größte Hürde beim KI-Einsatz. Fehlendes Wissen folgt mit 36 Prozent, ein unklarer Nutzen mit 29 Prozent.
Dass Datenschutz eine zentrale Rolle spielt, ist nachvollziehbar. Kein Unternehmen sollte vertrauliche Informationen, Kundendaten oder Geschäftsgeheimnisse unkontrolliert in öffentliche Systeme eingeben.
Doch im Gespräch zur Studie machte Stefan Reiser von puls Marktforschung auf einen zweiten Punkt aufmerksam: Datenschutz wird manchmal auch als Grund genutzt, sich mit KI gar nicht näher beschäftigen zu müssen.
Beides muss getrennt werden.
Ja, Unternehmen brauchen klare Regeln dafür,
- welche Daten in welche Systeme dürfen,
- welche Anbieter geeignet sind,
- wo Daten verarbeitet werden,
- und welche Freigaben notwendig sind.
Aber es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, KI kontrolliert einzusetzen: über Unternehmenszugänge, europäische Cloud-Angebote, vertraglich abgesicherte Datenverarbeitung oder lokal betriebene Modelle.
Datenschutz ist damit kein Grund zum Stillstand. Er ist eine Aufgabe, die professionell gelöst werden muss.
Nur elf Prozent haben eine schriftliche KI-Strategie
11 Prozent der Befragten berichten von einer schriftlichen KI-Strategie, die auf Unternehmensziele einzahlt.
24 Prozent sagen, dass KI zwar eingesetzt wird, aber ungeplant und nach individuellem Bedarf. Gleichzeitig halten 32 Prozent KI für ihren eigenen Arbeitsalltag nicht für relevant.
Gerade der erste Wert ist aufschlussreich. Elf Prozent sind nicht nichts — insbesondere, wenn auch kleinere Betriebe und unterschiedliche Branchen in der Stichprobe vertreten sind. Gleichzeitig zeigt die Zahl: Der strategische Rahmen fehlt in vielen Unternehmen noch.
Dabei muss eine KI-Strategie kein umfangreiches Papier sein, das für Jahre unverändert gilt.
KI entwickelt sich schnell. Was heute sinnvoll erscheint, kann in wenigen Monaten überholt sein. Eine gute Strategie sollte deshalb Orientierung geben, aber anpassbar bleiben.
Ein sinnvoller Anfang sind fünf Fragen:
- Welche Ziele wollen wir mit KI erreichen?
- Welche konkreten Prozesse oder Aufgaben wollen wir verbessern?
- Welche Daten und Systeme dürfen eingesetzt werden?
- Wer trägt die Verantwortung für Auswahl, Einführung und Kontrolle?
- Woran messen wir, ob KI tatsächlich Nutzen schafft?
Wer diese Fragen beantwortet, ist weiter als ein Unternehmen mit vielen Lizenzen, aber ohne klaren Anwendungsfall.
KI ist nicht nur Effizienz; sie kann neue Geschäftsfelder eröffnen
In vielen Unternehmen wird KI vor allem unter einer Frage betrachtet: Wie können wir schneller, günstiger oder effizienter arbeiten?
Das ist ein wichtiger Hebel. Aber es ist nicht der einzige.
Stefan Reiser betonte im Gespräch eine zweite Perspektive: KI eröffnet auch neue Möglichkeiten, Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, die mit dem bisherigen Kerngeschäft zunächst wenig zu tun haben.
puls Marktforschung arbeitet beispielsweise an einem LLM-Check für Marken. Über Schnittstellen werden dafür Anfragen an verschiedene Sprachmodelle gestellt, um zu prüfen, wie eine Marke in ChatGPT, Claude, Gemini und anderen KI-Systemen dargestellt oder assoziiert wird.
Das Beispiel zeigt: KI kann bestehende Arbeit verbessern. Sie kann aber auch neue Angebote ermöglichen.
Gerade für mittelständische Unternehmen ist das eine interessante Frage:
Welche neue Leistung könnten wir entwickeln, weil KI die technische Einstiegshürde deutlich senkt?
KI darf nicht allein bei der IT landen
44 Prozent der Befragten sehen die IT-Abteilung in der Hauptverantwortung für KI. 34 Prozent sehen die Geschäftsführung, 28 Prozent die Fachabteilungen. Externe Partner spielen mit fünf Prozent eine deutlich kleinere Rolle.
Die IT ist ohne Frage zentral: Sie verantwortet Infrastruktur, Sicherheit, Integration und häufig auch die Auswahl technischer Plattformen.
Aber KI ist kein reines IT-Thema.
Die besten Anwendungsfälle entstehen in den Fachbereichen. Dort kennen Mitarbeitende die wiederkehrenden Aufgaben, Engpässe und Qualitätsprobleme. Die Geschäftsführung wiederum muss Prioritäten setzen, Ressourcen bereitstellen und entscheiden, welche Veränderungen wirklich gewollt sind.
KI erfolgreich einzuführen bedeutet deshalb, diese drei Perspektiven zusammenzubringen:
- Die IT schafft sichere und integrierbare Rahmenbedingungen.
- Die Fachbereiche definieren Probleme und bewerten den Nutzen.
- Die Geschäftsführung übernimmt die strategische Verantwortung.
KI lässt sich nicht einfach wegdelegieren. Sie braucht eine aktive Rolle in der Unternehmensführung.
Ein Drittel hält KI im eigenen Arbeitsalltag für nicht relevant
32 Prozent der Befragten sagen, KI sei für ihren Arbeitsalltag nicht relevant. Tendenziell kommt diese Einschätzung häufiger von älteren Beschäftigten.
Natürlich wird KI nicht in jedem Beruf und jedem Unternehmen sofort dieselbe Bedeutung haben. Manche Geschäftsmodelle sind weniger stark betroffen als andere.
Trotzdem ist ein Drittel ein hoher Wert.
Denn KI verändert nicht nur Textarbeit oder Verwaltung. Sie verändert zunehmend auch Produktion, Logistik, Kundenservice, Sicherheit, Planung, Vertrieb, Forschung und Robotik. Selbst dort, wo KI nicht direkt eine Tätigkeit übernimmt, verändert sie häufig Erwartungen an Geschwindigkeit, Qualität oder Service.
Die Aufgabe für Unternehmen besteht deshalb nicht darin, allen Mitarbeitenden dieselbe Technologie aufzuzwingen. Sie besteht darin, Orientierung zu schaffen:
- Was bedeutet KI für unser Unternehmen?
- Welche Aufgaben verändern sich?
- Wo entstehen neue Chancen?
- Was bleibt menschliche Verantwortung?
- Welche Fähigkeiten müssen wir stärken?
Mitarbeitende mitzunehmen ist kein Begleitprogramm. Es ist ein zentraler Teil der Umsetzung.
Die Region kennt ihren eigenen Stand noch nicht
36 Prozent können nicht einschätzen, wie weit die Metropolregion Nürnberg beim Thema KI ist. Nur sechs Prozent halten KI hier bereits für flächendeckend verankert.
Das erklärt auch einen verbreiteten Effekt: Wer nicht weiß, wo andere Unternehmen stehen, wartet eher ab.
Dabei gibt es in der Region bereits viel Aktivität — in Technologieunternehmen, im Mittelstand, in Forschungseinrichtungen und in einzelnen Branchen. Was fehlt, ist oft nicht der erste Einsatz, sondern der sichtbare Austausch über funktionierende Anwendungsfälle.
Der bundesweite Vergleich zeigt ebenfalls Bewegung: Laut einer im August 2026 veröffentlichten Befragung automatisieren 34 Prozent der Kleinstbetriebe mit KI. Im September 2025 waren es erst 16 Prozent. Gleichzeitig nutzen 79 Prozent dieser Unternehmen KI vor allem zum Schreiben von Texten.
Der Einstieg gelingt also. Die nächste Aufgabe ist, von einzelnen Textanwendungen zu wiederkehrenden, messbaren Prozessen weiterzugehen.
Fazit: Nicht warten, sichtbar machen und bewusst steuern
Die Metropolregion Nürnberg steht beim Thema KI nicht am Anfang. Aber sie ist auch noch nicht dort, wo eine breite, strategische und messbar gesteuerte Nutzung selbstverständlich wäre.
Die Studie zeigt vor allem drei Aufgaben:
- KI-Nutzung sichtbar machen.
Unternehmen sollten wissen, welche Teams KI bereits nutzen und für welche Aufgaben. - KI strategisch verankern.
Eine erste, anpassbare Strategie ist besser als ungeplante Einzellösungen ohne klares Ziel. - Verantwortung gemeinsam tragen.
KI braucht IT, Fachbereiche und Geschäftsführung - nicht nur eine einzelne zuständige Abteilung.
Die entscheidende Frage lautet nicht, ob jedes Unternehmen selbst KI-Modelle bauen muss.
Sondern: Wie nutzen wir die verfügbaren Möglichkeiten so, dass daraus konkreter Nutzen, neue Optionen und echte Wettbewerbsfähigkeit entstehen?
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