DEEN
Wir feiern Geburtstag: 12 Monate Silbury KI-Strategiebriefing - Eine Bilanz.
ArtikelKI-News

Wir feiern Geburtstag: 12 Monate Silbury KI-Strategiebriefing - Eine Bilanz.

18. September 2026 · 6 Min. Lesezeit

45 Ausgaben, rund 200.000 gesprochene Wörter und drei klare Verschiebungen: KI-Agenten werden wichtiger, aus einem dominanten Anbieter werden mehrere relevante Optionen und Risiken sowie Kosten rücken vor neue Funktionen.

Über die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung wird viel behauptet und wenig gemessen. Die meisten Belege sind Marktprognosen, also Aussagen darüber, was jemand für die Zukunft erwartet.

Es geht auch anders.

Zwischen September 2025 und September 2026 sind 45 wöchentliche KI-Strategiebriefings für den deutschen Mittelstand entstanden, alle vollständig transkribiert. Rund 200.000 gesprochene Wörter. Dieser Bestand sagt etwas, das eine Prognose nicht sagen kann: Worüber eine Geschäftsführung tatsächlich informiert werden musste – und ab wann.

Drei Auswertungen daraus erzählen die Geschichte eines Jahres KI-Transformation. Und alle drei widersprechen einer verbreiteten Erwartung.

Zur Methode, in zwei Sätzen

Der Bestand wurde hälftig geteilt: 23 Ausgaben vom 19. September 2025 bis zum 13. März 2026 sowie 22 Ausgaben vom 20. März bis zum 11. September 2026. Beide Hälften umfassen rund 100.000 Wörter.

Alle Werte sind auf 1.000 gesprochene Wörter normiert. Das ist wichtig, weil die Sendungen im Verlauf des Jahres um rund vier Prozent länger wurden. Eine reine Zählung je Ausgabe würde diesen Längenzuwachs mitmessen und fälschlich als inhaltliche Veränderung ausweisen.

Die wichtigste Einschränkung: Diese Zahlen messen die Berichterstattung eines einzelnen Formats, nicht den Markt. Sie zeigen, was auf dem Tisch eines Entscheiders gelandet ist.

Kurve eins: Aus Werkzeugen wurden Handelnde

Das Wort „Agent“ fällt in der zweiten Jahreshälfte 46 Prozent häufiger als in der ersten: 1,54 gegenüber 1,06 Nennungen je 1.000 Wörter.

Interessanter als der Durchschnitt ist die Spitze. In einer einzelnen Ausgabe fiel das Wort zuletzt 45-mal. Im ersten Halbjahr lag der höchste Wert bei 16 Nennungen.

Die Diskussion über Agenten hat sich also nicht nur verbreitet. Sie hat sich verdichtet. Inzwischen gibt es Sendungen, die fast ausschließlich davon handeln: wie Agenten Aufgaben übernehmen, auf Systeme zugreifen, Entscheidungen vorbereiten und kontrolliert werden müssen.

Auch der Begriffswechsel hat ein konkretes Datum. Das Wort „agentisch“ kommt in den ersten 20 Ausgaben überhaupt nicht vor. Es taucht erstmals am 6. Februar 2026 auf und steht seither in 13 Ausgaben.

Das ist mehr als ein neuer Fachbegriff. Es zeigt eine Verschiebung in der Leitfrage.

Vor einem Jahr ging es vor allem darum, was KI als Werkzeug kann: Texte schreiben, Bilder erzeugen, Daten auswerten oder Prozesse beschleunigen.

Heute geht es zunehmend darum, was KI eigenständig ausführen darf.

Kurve zwei: Aus einem Ersten wurden zwei

Die Zählung zeigt eine Bewegung, die sich in einem Satz zusammenfassen lässt:

Aus einem klaren Ersten wurden zwei Gleichauf-Erste.

Vor einem Jahr fiel der Name OpenAI fast dreimal so oft wie Anthropic. Heute fallen beide exakt gleich oft.

Anthropic kam im ersten Halbjahr in 12 von 23 Ausgaben vor. Im zweiten Halbjahr war das Unternehmen in allen 22 Ausgaben vertreten.

Google hat sich in derselben Zeit halbiert. Gleichzeitig sind am Rand weitere Namen hinzugekommen, die im ersten Halbjahr praktisch nicht vorkamen:

  • Grok stieg von 1 auf 18 Nennungen.
  • DeepSeek stieg von 1 auf 8 Nennungen.
  • Mistral stieg von 13 auf 21 Nennungen.

Dahinter ist das Feld breiter geworden, nicht enger.

Für Unternehmen ist das strategisch relevant. Vor einem Jahr konnte es plausibel wirken, sich früh auf einen führenden Anbieter festzulegen. Heute ist die Landschaft vielfältiger: mit unterschiedlichen Modellen, Preismodellen, Datenschutzansätzen, Schnittstellen, regionalen Angeboten und Spezialisierungen.

Das ist kein Plädoyer dafür, jeder neuen Plattform hinterherzulaufen. Es ist aber ein Argument dagegen, sich so festzulegen, dass ein Wechsel praktisch unmöglich wird.

Kurve drei: Aus dem Ausprobieren wurde das Nachrechnen

Für die dritte Auswertung wurden zwei Begriffsfelder gegeneinander gestellt.

Das erste umfasst alles, was damit zu tun hat, was ein Werkzeug neu kann: Funktionen, Vorführungen und Ankündigungen.

Das zweite umfasst alles, was mit Kosten und Risiken zu tun hat.

Das Verhältnis hat sich im Jahresverlauf gedreht: von 1,36 : 1 auf 0,82 : 1.

Entscheidend ist, welche der beiden Seiten sich verändert hat. Über Fähigkeiten wird nahezu gleich viel gesprochen wie zuvor: minus sieben Prozent. Die Verschiebung liegt vollständig auf der anderen Seite.

Zwei Einzelwerte machen sie greifbar:

  • Live vorgeführt wird ein Drittel seltener.
  • Über Risiken wird doppelt so häufig gesprochen.

Die KI-Welt ist damit nicht weniger innovativ geworden. Aber die Fragen von Unternehmen haben sich verändert.

Nach der Phase des Ausprobierens folgt die Phase des Nachrechnens:

  • Was kostet der Einsatz tatsächlich?
  • Wo entsteht messbarer Nutzen?
  • Welche Daten verlassen das Unternehmen?
  • Wer haftet bei Fehlern?
  • Wie behalten wir Kontrolle über Systeme, die zunehmend selbstständig handeln?

Was Geschäftsführungen daraus ableiten können

1. In kürzeren Zyklen planen

Die Werkzeuge werden schneller besser, als eine klassische Jahresplanung das abbilden kann. Wer im Herbst Budgets, Systeme und Anbieter für das gesamte Folgejahr festlegt und erst im Sommer wieder hinschaut, kann dazwischen mehrere relevante Modellgenerationen verpassen.

Das spricht nicht gegen Planung. Es spricht für kürzere Überprüfungszyklen – zum Beispiel quartalsweise statt jährlich. Dabei sollten Kosten, Nutzen, Datenschutz, Anbieterabhängigkeit und neue Fähigkeiten regelmäßig neu bewertet werden.

2. Wechselmöglichkeiten offenhalten

Wer sich vor einem Jahr auf einen Anbieter festgelegt hat, sieht heute möglicherweise nur einen Teil des verfügbaren Feldes.

Das bedeutet nicht, ständig den Anbieter wechseln zu müssen. Es bedeutet, technische und vertragliche Abhängigkeiten bewusst zu steuern.

Zwei Fragen helfen dabei:

  1. Wie kommen unsere Daten und Arbeitsergebnisse wieder heraus – und in welchem Format?
  2. Wie lange läuft die Bindung – und was kostet eine vorzeitige Trennung?

Wer diese Fragen vor Vertragsabschluss beantwortet, kann später souveräner entscheiden.

3. Die richtige Leitfrage stellen

Die Leitfrage hat sich verschoben.

Sie lautet nicht mehr nur: „Was kann dieses Tool?“

Sie lautet: „Was kostet sein Einsatz – und was kann dabei schiefgehen?“

Wer intern noch vor allem Werkzeugvergleiche führt, während die Diskussion längst über Kosten, Haftung, Zugriffsrechte und Kontrolle läuft, arbeitet an der Frage von vorgestern.

Technologiekompetenz wird dadurch nicht weniger wichtig. Im Gegenteil: Je stärker KI in reale Prozesse eingreift, desto wichtiger wird es, Technologie, Verantwortung und Wirtschaftlichkeit gemeinsam zu betrachten.

Ein Jahr in einem Satz

Zwölf Monate KI-Transformation lassen sich in drei Bewegungen zusammenfassen:

Aus Werkzeugen wurden handelnde Systeme. Aus einem dominanten Anbieter wurden mehrere relevante Optionen. Und aus dem Ausprobieren wurde das Nachrechnen.

Die Technologie wird weiter schneller. Für Unternehmen wird aber etwas anderes entscheidend: nicht, wer jede neue Funktion zuerst sieht, sondern wer die richtigen Entscheidungen über Einsatz, Kontrolle, Kosten und Abhängigkeit trifft.

Methodische Anmerkung

Alle Zählungen stammen aus einer maschinellen Auswertung von 45 vollständigen Transkripten aus dem Zeitraum vom 19. September 2025 bis zum 11. September 2026. Gezählt wurde über den gesamten Bestand, nicht anhand einer Stichprobe. Zeitstempel und Sprecherkennzeichnungen wurden vor der Auswertung entfernt.

Eine Einschränkung: Die Aufzeichnung der ersten Ausgabe ist nach rund elf Minuten abgebrochen und trägt deshalb nur einen Teil ihres ursprünglichen Inhalts bei. Negativbefunde wie „kam nicht vor“ wurden für diese Ausgabe nicht verwendet.

Offenlegung

Der ausgewertete Bestand ist das Archiv des KI-Strategiebriefings der Silbury Deutschland GmbH. Die Zahlen messen die Berichterstattung dieses Formats und sind nicht als Marktanteile oder repräsentative Marktdaten zu verstehen.

Mehr Einordnung im KI-Strategiebriefing

Im KI-Strategiebriefing ordnen wir jede Woche die wichtigsten KI-Entwicklungen für Geschäftsführungen und Entscheider ein: kompakt, praxisnah und mit Blick auf die Entscheidungen, die jetzt anstehen.

Jeden Freitag um 8:00 Uhr · 30 Minuten · online

Jetzt zum nächsten KI-Strategiebriefing anmelden:
https://www.silbury.com/strategie